Viele gestalten Vielfalt

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Ein Bericht zum Projektauftakt am 20.9.2019 von Nelly Schubert.

Viele gestalten Vielfalt – dies könnte als Bestandsaufnahme und Leitsatz zugleich aus der Auftaktveranstaltung des Projektes „Diversität, Teilhabe und Zusammenhalt in der Kommune. Wissenschaft und Praxis im Austausch für eine Zukunft in Vielfalt“ bilanziert werden.

Die Kombination aus Vorträgen und Foren im Workshop-Format brachte über 100 Akteur_innen und eine Vielzahl an Hintergründen zusammen. Ziel war es, vielfältige Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen, um Diversität konstruktiv zu begegnen. Das entsprach auch dem Wunsch der Teilnehmenden. Unterschiedliche Erfahrungsberichte und konzeptionelle Empfehlungen führten zu einem anregenden Austausch über Ziele, Grenzen und Möglichkeiten im Umgang mit Vielfalt in Kommunen.

Inwiefern kann ‚Viele gestalten Vielfalt‘ hier als Bestandsaufnahme gelten? In den sechs interaktiven Foren wurde deutlich, dass eine große Bandbreite an Akteur_innen, Initiativen und Einrichtungen bereits für die Wertschätzung sozialer Vielfalt aktiv ist: Anwesend waren etwa Beauftragte sowie andere Ehren-, Haupt- und Nebenamtliche aus Gleichstellungs-, Integrations-, Inklusions- und Antidiskriminierungsarbeit, Interessenvertretungen, Personalentwicklung, interkultureller Arbeit, Arbeit mit Geflüchteten, (Jugend-) Sozialarbeit, Raum- und Stadtplanung, Unternehmensberatung, Bildungsarbeit, Beschäftigungsförderung, Wissenschaft sowie Kultur- und Wohlfahrtseinrichtungen. Sie agieren bereits auf mehreren Ebenen (Hochschule, Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft) und mit teilweise sehr unterschiedlichen Voraussetzungen (Profil und Größe der Stadt, Ressourcen- und Personalausstattung) und Herangehensweisen (Antidiskriminierung, Gleichstellung, Integration, Inklusion, Teilhabe, Diversity Management). Angereist waren die Teilnehmenden nicht nur aus Göttingen und Niedersachsen, sondern beinahe aus dem gesamten Bundesgebiet – von Schleswig-Holstein über Bremen, Hessen, Berlin, Sachsen, Nordrhein-Westfalen bis Bayern und Baden-Württemberg. Die dargestellten Beispiele und Fortschritte waren entsprechend facettenreich: Von der geplanten Initiierung eines Antidiskriminierungsangebots in Braunschweig bis hin zum erfolgreich verabschiedeten und weitreichend implementierten Vielfaltskonzept in Köln reichten etwa die Beispiele kommunaler Diversitäts-Bearbeitung. Aktive aus allen vertretenen Bereichen brachten sich gleichermaßen aktiv ein. Kurz gesagt: Es sind bereits viele, die Vielfalt gestalten!

Kurz gesagt: Es sind bereits viele, die Vielfalt gestalten!

Inwiefern kann ‚Viele gestalten Vielfalt‘ hier als Leitsatz gelten? Trotz aller Unterschiede waren sich die Anwesenden einig: Die gemeinsamen Ziele – Vielfalt wertzuschätzen, Diskriminierung zu verhindern und Teilhabe und Chancengleichheit zu fördern – können nur erreicht werden, indem unterschiedliche Instanzen zusammenarbeiten. Die Anwesenden tauschten Wissen, Perspektiven und Erfahrungen – positive wie negative – untereinander aus. Auf diese Weise ebneten sie den Weg für strategische Reflexion und ein gemeinsames Lernen in den themenspezifischen Foren. Was beim Fachtag funktionierte und als außergewöhnlich konstruktiv empfunden wurde, kristallisierte sich auch als erstrebenswertes Prinzip im Einsatz für Teilhabe und Chancengleichheit heraus: Verschiedene gesellschaftliche Teilbereiche (Zivilgesellschaft, Hochschule, Politik und Verwaltung) müssen zusammenarbeiten; Personen, die verschiedene Handlungsansätze (Antidiskriminierung, Gleichstellung, Inklusion etc.) verfolgen, müssen sich austauschen. Nur auf diese Weise kann der faktischen Intersektionalität – also den Verschränkungen und Wechselwirkungen zwischen Ungleichheitsdimensionen – sinnvoll Rechnung getragen werden. Das erleichtert allen den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten. Vorhandene Expertise lässt sich so besser zuordnen und für mehrere Zwecke nutzen. Außerdem kann strukturellen Ungleichbehandlungen nur durch die Kombination von Einzelfall- mit gruppenspezifischen Maßnahmen und strukturellem Wandel begegnet werden. Dementsprechend ist es unerlässlich, dass unterschiedliche Akteur_innen und Instanzen zusammenwirken, statt sich in der Konkurrenz um knappe um Gelder, Stellen, Aufmerksamkeit und Fürsprache gegenseitig aufzureiben. Gemeinsam sind wir stärker als alleine. Deshalb gilt: Wenn wir Vielfalt gestalten wollen, müssen wir viele sein.

Wenn wir Vielfalt gestalten wollen, müssen wir viele sein.

Wo stehen wir also und wo wollen wir hin in Bezug auf Diversität und Teilhabe in den Kommunen? Beides lässt sich beantworten mit: Viele gestalten Vielfalt!

Über die Autorin

Nelly C. Schubert ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Diversitätsforschung. Für ihre Doktorarbeit hat sie interreligiöse Repräsentationsbeziehungen auf kommunaler Ebene untersucht, wobei sie insbesondere die Diversitätsdimensionen Religion/Weltanschauung und Migration im Blick hat. Außerdem engagiert sie sich in universitären Gremien für Diversity Mainstreaming.

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